Kurzzusammenfassung:
Halle/Saale, Konzerthalle Ulrichskirche, Sockelzone; Voruntersuchung, Erstellung eines Restaurierungskonzeptes inkl. Maßnahmenkartierung und fachliche Überwachung der Maßnahmenrealisierung
ausgeführt: 2005-2006
Auftraggeber: Stadt Halle

Objekt/Titel Sockelzone Außenbereich
Standort Halle, ehemalige Pfarrkirche St. Ulrich, heute Konzerthalle
Lage Ost-, Nord- und Westseite der Kirche
Material/Technik Bruchsteinmauerwerk mit steinmetzmäßig bearbeiteten Eckquadern aus Sandstein, Kalksandstein, Buntsandstein, Porphyr, Ziegel
Datierung 14.-15. Jh.
zu bearbeitende Länge (Sockel) ca. 117m

Bei der ehemaligen Pfarrkirche St. Ulrich handelt es sich um eine turmlose spätgotische Hallenkirche. Das zweischiffige Bauwerk zeigt ein einheitliches Satteldach, wobei das Hauptschiff mit 5/8 Polygon und das Nebenschiff gerade geschlossen wird.

Die ehemalige Serviten- Klosterkirche wurde 1531 vom Kardinal Albrecht der Pfarrgemeinde St. Ulrich übergeben, seit 1976 wird das Kirchengebäude als Konzerthalle genutzt. Der Bau der Klosterkirche wurde vermutlich Mitte des 14. Jh. begonnen. In einem ersten Bauabschnitt wurden die vier östlichen Langhausjoche mit dem Chorpolygon und die vier östlichen Pfeilerarkaden errichtet. In einer zweiten Bauphase, wohl nach längerer Unterbrechung im 2. Drittel des 15. Jh., entstanden die vier westlichen Joche und die Einwölbung der fünf östlichen Langhausjoche. Später erfolgten nachweislich umfängliche Baunassnahmen im 17. Jh., 1783 und 1886, 1925 eine Instandsetzung des Innenraumes sowie 1971-75 der Umbau als Konzerthalle.

Der Sockel selbst ist als Bruchsteinmauerwerk ausgebildet. Die Eckquaderungen und das Sockelgesims (Kalksandstein) sind als Werkstein bearbeitet.

Die Sockelzone im Außenbereich der Konzerthalle Ulrichskirche befand sich seit längerer Zeit in einem augenscheinlich schlechten Zustand. Die erheblichen Schäden haben sich zusätzlich in den letzten Jahren nachweislich verstärkt, sodass von einem progressiven Schadensfortschritt zu sprechen war. Es erfolgten zahlreiche Voruntersuchungen, wie z.B. eine Gesteinsbestimmung und genaue Zustandsuntersuchung. Hier wurden folgende Schäden diagnostiziert:

  • Defekte oder fehlende Verfugung
  • Fehlstellen von Teilbereichen oder ganzen Werksteinen
  • Schwarze Krusten
  • Feuchtebelastung
  • Rissbildung
  • Schalenbildung/Abblättern
  • Absanden/Entfestigung
  • Verschmutzungen
  • Biogener Bewuchs

Abbildung: Proben für den Fugenmörtel.

Im Anschluss an die Zustandsuntersuchung wurde für einen stark geschädigten Bereich des Sockels eine aussagefähige Musterfläche erstellt. Diese beinhaltete z.B. Muster für eine adäquate Reinigungsmethode, Ergänzungsmassen, Anböschmassen, Fugenmörtel unter Vorgaben der zuständigen Denkmalbehörden, Festigungsmaterialien und Behandlung des biogenen Bewuchses.



Auf der Grundlage der Musterfläche konnte die Maßnahmenkartierung für den gesamten Sockelbereich erfolgen. Das Restaurierungskonzept inkl. Maßnahmenkartierung war Grundlage für die Ausschreibung. Die Maßnahmenrealisierung erfolgte durch eine Steinmetzfirma (Bauhütte Naumburg) unter meiner restauratorischer Begleitung.

Abbildung: Musterfläche im Bereich des Sockels.

Hervorzuheben ist der insgesamt konservatorische Arbeitsansatz bei der Bearbeitung des Sockels. Es wurden nur vereinzelt die sonst üblichen Vierungen ausgeführt, wodurch der Substanzverlust gering gehalten werden konnte. Fehlstellen wurden durch Ergänzungsmassen geschlossen. Bei Totalverlusten kam intaktes Altmaterial zum Einsatz, sodass dieser Steinersatz sich ebenfalls in den Bestand integriert. Die Reinigung erfolgte schonend, ohne steinmetzmäßiges Überarbeiten der Oberflächen, zusätzlich wurden Festigungen und Anböschungen umgesetzt. Das Gesamtbild konnte so harmonisch und authentisch erhalten werden.

vollständige Dokumentationen:
Grimm, C. (2005): Halle, Konzerthalle Ulrichskirche, Sockelzone, Restaurierungskonzept

archiviert bei:

  • Planungsbüro T. Magerl, Halle
  • Stadt Halle, Eigenbetrieb ZGM
  • Landesamt f. Denkmalpflege und Archäologie Sachsen- Anhalt, Halle/S.
<< Zurück zur Übersicht