Kurzzusammenfassung:
Leau, St. Wolfgang, Tympanon; Restaurierung
ausgeführt: 2004
Auftraggeber: Evangelische Kirchengemeinde St. Wolfgang, Leau

Objekt/Titel Tympanon
Standort St. Wolfgang, Leau
Art der Aufstellung über dem Nordportal als Spolie versetzt
Material/Technik Sandstein
Datierung vermutl. 14. Jh.
Maße (HxB) in cm ca. 122x160

Bei der St. Wolfgangskirche in Leau handelt es sich um einen flachgedeckten verputzten Feldsteinbau mit einer östlichen Apsis und einem westlichen Querturm. Das heutige Erscheinungsbild entstand vermutlich um 1699 durch starke Überformung eines romanischen Vorgängerbaus. Von diesem Vorgängerbau zeugen einige Bauteile der Kirche: z.B. der Unterbau des Turmes, der sich mit einem Rundbogen zum Kirchenschiff öffnet und das wertvolle Tympanonrelief des Nordportals. Das Tympanon zeigt die Auferstehung Christi, die “Noli me tangere“- Szene und die Höllenfahrt Christi. Das Relief stammt vermutl. aus der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Nach der Überformung von 1699 erfolgte 1892 eine weitere Veränderung des Baukörpers. Hier entstanden die heutige Dachtragkonstruktion und die Apsis (Ziegelbau).

Abbildung: Das wertvolle Tympanon mit starker Schädigung.

Insgesamt befand sich das Tympanon 2004 in einem sehr schlechten Zustand. Es zeigte erhebliche substanzgefährdende Schadensphänomene, die einer Behebung bzw. Konsolidierung bedurften. Als Schadensphänomene waren hier zu definieren:

  • Verschmutzungen, Reste einer Zementschlämme
  • Schwarze, dünne Krusten
  • ausgeprägte Schalenbildung
  • Schuppenbildung
  • Absanden/Entfestigung
  • Salzbelastung
  • defekte Fugen

Abbildung: Während der Reinigung des Tympanons.

Im Rahmen der Bearbeitung erfolgte eine schonende Reinigung, die Reste der zementhaltigen Schlämme wurden abgenommen. Zuvor wurde in stark gefährdeten Bereichen eine Vorfestigung mit einem Steinfestiger durchgeführt.



Der defekte und ungeeignete Fugenmörtel wurde rückstandsfrei entfernt und durch einen nachhaltig schadfreien Fugenmörtel ersetzt.

Um die Verluste zu stoppen, wurden Schuppen und Schalen mit einer angepassten Masse für Sandstein hinterfüllt. Für die sog. Feinrisse wurde eine geeignete Masse rezeptiert und angewandt. Größere Schalen und Wasserstandsflächen konnten durch Anböschungen gesichert werden.

Um weitere Schäden zu minimieren und eine nachhaltig wirksame Festigungsmassnahme durchführen zu können, war es vorab notwendig, die im Tympanon befindlichen Salze zu reduzieren. Als Bestandteile der entnommenen Proben wurden leicht lösliche Nitrate und Chloride ermittelt. Als Quelle hierfür muss ein belasteter Sand der Region vermutet werden. Im Rahmen der Restaurierung konnte eine wirksame Kompressenentsalzung durchgeführt werden. Der Erfolg der Maßnahme wurde analytisch nachgewiesen.

Damit das Objekt nach der Konservierung nicht wieder den gleichen Schadensmechanismen (Witterungseinflüsse) ausgesetzt ist, habe ich im Sinne einer Präventivmaßnahme eine Wintereinhausung empfohlen. Dies hat die Gemeinde vorbildhaft umgesetzt.

vollständige Dokumentation:
Grimm, C. (2004): St. Wolfgang, Leau, Tympanon Nordportal. Zustandserfassung und –dokumentation, Restaurierung

archiviert bei:

  • Planungsbüro Peter Girke, Halle
  • Evangelische Kirchengemeinde St. Wolfgang, Leau
  • Landesamt f. Denkmalpflege und Archäologie Sachsen- Anhalt, Halle/S.
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