Kurzzusammenfassung:
Ermsleben, Konradsburg, Krypta der ehemaligen Klosterkirche St. Sixtus; Schadensaufnahme, Dokumentation, restauratorische Baubegleitung, Restaurierungskonzept und Restaurierung
ausgeführt: seit 2003
Auftraggeber: Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen- Anhalt, Leitzkau

Ort Ermsleben, Konradsburg
Objekt/Titel Krypta der ehemaligen Klosterkirche St. Sixtus
Material/Technik Sandstein, Kalkstein
Datierung um 1200

Die fünfschiffige Hallenkrypta befindet sich unter dem hoch gelegenen Chor der ehemaligen Klosterkirche St. Sixtus auf der Konradsburg bei Ermsleben. Wegen ihrer reichen Gestaltung gehört sie zu den bedeutendsten Denkmälern der spätromanischen Architektur in Deutschland. Im Inneren enden die durchgehenden Gratgewölbe über Gurten auf Pilastern an den Wänden und der Apsis der Krypta.

Der mittlere Bereich der Krypta wird durch vier Säulen und zwei schlanke Pfeiler mit eingestellten Säulen vor der Hauptapsis in drei Schiffe gegliedert. Von den Seitenschiffen wird dieser Bereich durch jeweils zwei Pfeiler getrennt. Die Kapitelle und Kämpfer der Säulen sind durch außerordentlichen Formenreichtum gekennzeichnet.

Abbildung: Kämpfer einer Säule.



Die Natursteinelemente der gesamten Krypta befanden sich in einem sehr schlechten und akut gefährdeten Zustand. Zu Beginn der noch andauernden Restaurierungsarbeiten wurde eine detaillierte Bestands- und Zustandsaufnahme durchgeführt. Neben einer hohen Salz- und Feuchtebelastung und einer ungünstigen klimatischen Situation mussten insbesondere an den Säulen und Pfeilern Schadensbilder wie:

  • Absanden/Abkreiden
  • strukturelle Entfestigung des Gesteins
  • Abschuppen/Abschalen
  • Rissbildung und Fehlstellen
  • Verschmutzungen
  • Salzausblühungen/Salzkrusten

diagnostiziert werden.

Eine Hauptschadensursache ist der hohe Gehalt an bauschädlichen Salzen. Es ist davon auszugehen, dass der Eintrag der Salze über aufsteigende Feuchte und aus der langjährigen Nutzung der Krypta und Kirche als Stall und Scheune resultiert. Bestätigt wird dies auch durch die qualitative Bestimmung der auftretenden Salze. Hier wurden vorrangig Kaliumnitrat, Calciumchlorid und Magnesiumchlorid nachgewiesen. Hervorzuheben ist der hohe Anteil von Kaliumnitrat, ein typisches Fäkaliensalz in ehemals viehwirtschaftlich genutzten Gebäuden. Die Ausgleichs- bzw. Gleichgewichtsfeuchte beträgt 95,4% bei 15°C, d.h. Kaliumnitrat beginnt bei einer relativen Luftfeuchte von 95,4% und 15°C in Lösung zu gehen. Wird diese Luftfeuchte unterschritten, beginnt Kaliumnitrat auszukristallisieren. Die Löslichkeit ist zusätzlich stark temperaturabhängig. Die bei Klimaschwankungen wiederkehrenden Hydratations-, Lösungs- und Kristallisationsprozesse schädigen das Gestein maßgeblich.

2003 erfolgte eine Bestands- und Zustanderfassung. Dies umfasste Archivrecherche, verschiedene Materialbestimmungen, Bestimmung von Materialeigenschaften, Fassungs- und Mörteluntersuchungen, Salz- und Feuchteuntersuchungen, Klimamessung, eine archivierbare Fotodokumentation sowie eine Schadenskartierung.

Abbildung: Diagramm der Klimamessung.

2004 wurde auf Grundlage der vorangegangenen Untersuchungsergebnisse mit der Planung der notwendigen Maßnahmen begonnen. Zusätzlich konnte mit der Schadsalzreduzierung durch mechanische Abnahme der Effloreszenzen begonnen werden. Die fortlaufende Klimamessung im Innen- und Außenbereich lieferte wertvolle Informationen zum Verständnis der Gesamtschadsituation. Zusätzlich wurde eine Messachse zur Bestimmung von Salz- und Feuchteprofilen an der stark geschädigten Westwand angelegt.


Abbildung: Salzausblühung auf dem Kompressenmaterial.

Im Sommer 2005 erfolgte die Abnahme der defekten und stark salzbelasteten Putze der 1950er Jahre unter vorausgegangener Schutzeinhausung der Säulen und Pfeiler.

Anschließend konnte das erstellte Konservierungskonzept an einer Mustersäule umgesetzt werden. Hauptaufgabe war hier das Reduzieren der Salze mittels des Injektionskompressenverfahrens. Vorab wurden die Gründung der Säule und der Fußbodenaufbau bestimmt.



Abbildung: Putzmuster.

Für den Neuverputz der Wände und Gewölbe wurden Putzmuster und geeignete Mörtelrezepte für einen Opferputz erstellt.



Die Planungen für eine Klimasteuerung in der Krypta wurden weitergeführt.

2006 wurde der Neuverputz unter restauratorischer Baubegleitung in der ermittelten Ausführung umgesetzt (Firma DPS, Leipzig). Der Putzmörtel ist in der Lage Feuchte und Salze aus dem Untergrund aufzunehmen. Die Westwand wurde aufgrund der vorliegenden Untersuchungsergebnisse durch eine Vertikalsperre in Kombination mit einer Drainage versehen, um den nachgewiesenen Feuchteeintrag in die Krypta zu reduzieren.

Im Zuge Restaurierungsarbeiten in der Krypta sind folgende Maßnahmen geplant:

  • Konservierung und Restaurierung aller Säulen und Pfeiler
  • Austausch des stark salzbelasteten Fußbodens sowie dessen Unterbaus
  • Einbau einer Lüftungssteuerung zur Verbesserung der klimatischen Bedingungen

vollständige Dokumentationen:
Grimm, C. (2003): Konradsburg- Klosterkirche St. Sixtus- Krypta: Bestandserfassung, Zustandserfassung, Klimamessung.
Grimm, C. (2004): Konradsburg- Klosterkirche St. Sixtus- Krypta: Bericht Maßnahmen 2004.
Grimm, C. (2005): Konradsburg- Klosterkirche St. Sixtus- Krypta: Bericht Maßnahmen und Untersuchungen 2005

archiviert bei:

  • Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen- Anhalt, Leitzkau
  • Landesamt f. Denkmalpflege und Archäologie Sachsen- Anhalt, Halle/S.
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