Kurzzusammenfassung:
Halberstadt, Dom St. Stephanus und St. Sixtus, Maria Magdalena; Restaurierung und Konservierung
ausgeführt: 2004-2006
Auftraggeber: Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen- Anhalt, Leitzkau

Objekt/Titel Maria Magdalena
Standort nördlicher Chorumgang, Nische
Aufstellung bis 2004 in einer Nische stehend, senkrechter Anker in der Plinthe
Material/Technik Buntsandstein (Saale- Unstrut- Gebiet), polychrom gefasst
Datierung um 1333 - 1370
Maße Maria (HxBxT) in cm 137x40x30
davon Höhe Plinthe in cm 4

Der Halberstädter Dom St. Stephanus und St. Sixtus besitzt eine reiche mittelalterliche Ausstattung, mit einem umfangreichen Bestand an einzigartigen Steinskulpturen. Insbesondere im 14. Jh. wurden für den Halberstädter Dom Skulpturen herausragender bildhauerischer Qualität geschaffen. Hierzu zählen die Anbetungsgruppe der Marienkapelle, die Verkündigungsgruppe, die Skulpturen des Schmerzensmann und der Maria Magdalena. Letztere Skulptur ist hier besonders hervorzuheben, da sie einen hohen Bestand an originaler Fassung zeigt.

Im Rahmen der Bearbeitung der Skulptur erfolgten 2004 umfangreiche Voruntersuchungen. Diese umfassten u.a. eine Gesteinsbestimmung und die detaillierte Fassungsuntersuchung, die neben Querschliffuntersuchungen auch Pigment- und Bindemittelbestimmungen beinhaltete. Insgesamt ließen die Beobachtungen an der Skulptur und an den angefertigten Querschliffen den Schluss zu, dass sie mindestens zwei Fassungen erhalten hat.

Abbildung: Querschliff, Fassungsprobe des Salbgefäßes.



Die erste, sehr aufwendige polychrome Fassung ist mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Entstehungszeit der Skulptur zu datieren. Der blaue Mantel und das weiße Untergewand zeigen aufwendige Musterungen, z.B. goldene Rosetten von etwa 30mm Durchmesser. Im Bereich des Mantels gab es vermutlich eine Teilneufassung. Zusätzlich erhielt sie später eine graue Übermalung.

Abbildung: Dünnschliffmikroskopische Aufnahme. Gekreuzte Polarisatoren. Bildunterkante entspricht 1,4mm.



Vor allem die Fassung befand sich 2004 in einem sehr schlechten und akut gefährdeten Zustand. Teile der Fassung waren bereits völlig verloren gegangen. Die erhaltene Fassung war in nahezu allen Bereichen stark abgängig. Diese Schadensphänomene waren aktiv und bedurften dringend einer Konsolidierung.

Ein besonderes Schadensphänomen waren pustelartige Aufwölbungen innerhalb der Fassung. Als Ursache hierfür wurde eine Salzbelastung mit Chlorid analysiert. Ein Reduzieren des vermutlichen Bleichlorids innerhalb der sichtbaren Originalfassung musste ausgeschlossen werden, da es sich um eine flächig salzkontaminierte Fassung handelt und hierfür keine Methoden erprobt sind. Die Bereiche müssen zukünftig regelmäßig kontrolliert werden und es sind klimatisch günstige Bedingungen für die Skulptur zu schaffen. Die Skulptur wird eine eigene Klimamessstelle erhalten, um die genauen Klimabedingungen zu erfassen.

Für die sichtbare Originalfassung wurde eine reine Konservierung des jetzigen Erhaltungsgrades der Fassung angestrebt. Dies bedeutet, dass 2004-2005 gefährdete Bereiche schonend gereinigt, gefestigt und ablösende Fassungspartien wieder an den Träger angebunden wurden.

Abbildung: Die Skulptur vor und nach der Bearbeitung.

Nach der Konservierung der sichtbaren Originalfassung rückte 2005-2006 die Bearbeitung der Übermalung in den Fokus. Die Skulptur der Maria Magdalena hat vermutlich in der ersten Hälfte des 20. Jh. eine Grau- Übermalung erhalten. Diese Übermalung wurde ohne weitere Differenzierung auf große Bereiche der Skulptur aufgebracht. Insgesamt war die Übermalung vor allem im Gesicht der Skulptur sehr entstellend und wurde dem künstlerischen Anspruch der Skulptur nicht gerecht.

Das starke Fassungspaket bewirkte zusätzliche Schäden, so ist eine Verwendung von sog. Pattinsonweiß (basisches Bleichlorid, PbCl2 Pb(OH)2) innerhalb der Graufassung als Ursache für die Pustelbildung nicht auszuschließen.

Aus diesen Gründen wurde die Abnahme der Übermalung erwogen. Die Risiken wurden vorerst anhand von Freilegungsproben genauer untersucht. Die durchgeführten Versuche zeigten, dass eine Abnahme der Übermalung möglich war.

Die durchgeführte Freilegung hat im Ergebnis zu einem harmonischen Gesamtbild der Skulptur geführt. Die Originalfassung konnte konserviert werden, Fehlstellen wurden zurückhaltend in einer Punktretusche geschlossen.

vollständige Dokumentationen:
Grimm, C. (2004): Dom zu Halberstadt, Maria Magdalena, I059, Bestandserfassung, Zustandserfassung, Restaurierungskonzept, Restaurierung.
Grimm, C. (2005): Dom zu Halberstadt, Maria Magdalena, I059, Untersuchung der Möglichkeit zur Abnahme der Übermalung.
Grimm, C. (2006): Dom zu Halberstadt, Maria Magdalena, I059, Abnahme der Übermalung.

archiviert bei:

  • IFS, Dr. Lind, Halberstadt
  • Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen- Anhalt, Leitzkau
  • Landesamt f. Denkmalpflege und Archäologie Sachsen- Anhalt, Halle/S.
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